Porträt Sharon auf der ZDF Website
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Kontroverser Rechter
mit Großvater-Image

Ariel Scharon gewinnt die
Neuwahl im Januar 2003

Ariel Scharon stand die Genugtuung über das gute Abschneiden seiner Partei am Dienstagabend ins Gesicht geschrieben. Der fast 75-Jährige hat seine rechte Likud-Partei bei der vorgezogenen Parlamentswahl nach 14 Jahren wieder zur deutlich stärksten Knesset-Fraktion gemacht. Und dies, obwohl Scharon keines seiner Wahlversprechen einlösen konnte.

"Frieden und Sicherheit" für Israel hatte Scharon vor zwei Jahren versprochen, als er zum ersten Mal zum Regierungschef gewählt worden war. Beides ist heute ebenso wenig in Sicht, wie die Beendigung der tiefen Wirtschaftskrise im Lande.

Gefürchtet und verachtet
Der 1928 als Ariel Scheinerman in Israel geborene Scharon wird bis heute von seinen Gegnern im In- und Ausland gefürchtet und verachtet. Doch für seine Anhänger in Israel verkörpert der Ex-General nach wi vor die alten zionistischen Werte: Der Hasardeur und Kriegsheld, der 1973 während des Jom-Kippur-Krieges seine Soldaten auf eigene Faust über den Suez-Kanal führte und damit Israels Sieg gegen Ägypten begründete.

Für viele Israelis hat Scharon inzwischen einen Wandel zum besonnenen Politiker und Staatsmann vollzogen. Der massige Schafsfarmer nahm ein fast schon großväterliches Image an. Doch für seine Gegner bleibt er der unberechenbare Machtpolitiker mit Methoden eines "Bulldozers". Gewaltanwendung zur Durchsetzung politischer Absichten zieht sich durch seine Karriere, die bis heute von seiner Rolle im Libanonkrieg geprägt wird.

Massaker an Palästinensern
Als Verteidigungsminister befahl Scharon Israels Einmarsch in das Nachbarland. Später gab ihm eine Kommission die Mitverantwortung für das Massaker in den Lagern Sabra und Schatila, das christliche Milizionäre im September 1982 an Hunderten von Palästinensern verübten.

Seit Scharon 1974 in die Politik ging, galt er als Mentor der jüdischen Siedler in den Palästinensergebieten. Angesichts zahlreicher palästinensischer Terroranschläge hat er seit seiner Wahl 2001 die Eskalation des Konflikts, die gezielte Zerstörung der Autonomiebehörde, die Wiederbesetzung des Westjordanlands und die Entmachtung seines Erzfeindes Jassir Arafats betrieben. Unter dem Druck der USA will er zwar einen Palästinenserstaat anerkennen. Seine Maximalforderungen lassen aber Frieden zu seinen Bedingungen fraglich erscheinen.

Der "Bulldozer" im Friedensprozess

Ariel Scharon im Porträt

Nach einer Karriere mit vielen Höhen und Tiefen hat Ariel Scharon 2001 als Ministerpräsident den Zenit seiner Laufbahn erreicht. Der 73-jährige Ex-General und frühere Minister wurde auf einer Welle der Enttäuschung über die erfolglose Friedenspolitik seines Vorgängers Ehud Barak ins Amt gespült und 2003 von seinen desillusionierten Landsleuten überraschend wiedergewählt.
 

Mit Scharon verband sich für viele Israelis die Hoffnung, die zwischen orthodoxen und weltlichen Juden zerrissene Gesellschaft zu einen. Doch das scheint eine fast ebenso schwere Aufgabe wie die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern.

Größte Niederlage
Als Verteidigungsminister erlitt Scharon 1983 seine größte Niederlage: Wegen Massakern an palästinensischen Flüchtlingen im Libanon, die christliche Milizen unter den Augen der israelischen Invasionsarmee verübt hatten, trat er zurück. Bei den Arabern brachte ihm der Vorfall den Beinamen "Schlächter von Beirut" ein. Im eigenen Lager hat er hingegen den Ruf, ein Patriot mit einer festen Hand und einem starken Willen zu sein.

Viele Israelis sagen, genau das brauche das Land während eines Aufstandes der Palästinenser. Sein politischer Stil hat ihm im eigenen Land den Spitznamen "Bulldozer" eingebracht.

Scharon kämpfte als Offizier im Sechstagekrieg von 1967. Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 trug er wesentlich zum Erfolg der israelischen Truppen gegen Ägypten und Syrien bei und wurde in Israel als Held gefeiert. Im selben Jahr war Scharon einer der Gründer der Likud-Partei und trat in der Folgezeit in zahlreiche Regierungen als Minister ein. Zuletzt war er Außenminister in der Regierung von Benjamin Netanjahu.

Kaum in diesem Amt, erklärte Scharon den zwischen Netanjahu und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat vereinbarten Truppenrückzug aus weiteren Teilen der besetzten Gebiete zur nationalen Katastrophe. In Wye, wo die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern stattfanden, weigerte sich Scharon 1998, Arafat die Hand zu reichen. Der Friedensprozess hat während Scharons Amtszeit unter gegenseitigen Schuldzuweisungen herbe Rückschläge erlitten.

Das Gesicht des Hardliners
Das Bild des moderaten Politikers wich zusehends dem des Kriegsherren: Scharon rechtfertigte öffentlich die Tötung mutmaßlicher palästinensischer Terroristen durch gezielte Angriffe damit, Israelis vor Terroranschlägen zu schützen.

Politisch hatte er auch vor den Wahlen 2003 nicht viel zu bieten: Israels Wirtschaft befand sich - nicht zuletzt durch die blutige Intifada - im freien Fall. Und auch der Friedensprozess kam nicht voran. Trotzdem wurde er mit überraschend gutem Ergebnis als Ministerpräsident bestätigt.

Massiver internationaler Druck
Noch kurz vor der Parlamentswahl in Israel hatte Ministerpräsident Scharon den Nahost-Friedensplan von USA, EU, UN und Russland als "nicht ernst zu nehmen" bezeichnet. Doch schon bald ließ er moderatere Töne hören - nicht zuletzt wegen des massiven internationalen Drucks.

"Wir erwarten keine hundertprozentigen Erfolge, sondern hundertprozentige Anstrengungen", lautete bald die offizielle Devise der Regierung Ariel Scharon. Und unter seiner Führung billigte die Regierung im Mai 2003 den Friedensplan - und erkannte damit erstmals das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat an.

Persönliche Tragödien
Der persönliche Werdegang Scharons, der 1928 als Ariel Scheinerman in Kfar Malal nördlich von Tel Aviv geboren wurde, war von Tragödien gezeichnet. Seine erste Frau, Margalit, starb bei einem Autounfall. Der gemeinsame Sohn, Gur, wurde im Alter von elf Jahren getötet, als sich ein Schuss aus einer Waffe löste, mit der er spielte.

Scharons zweite Ehefrau Lily, die Schwester seiner ersten Frau, erlag im vergangenen Jahr einem Krebsleiden. Scharon nannte es "tieftraurig", dass sie seine Wahl zum Ministerpräsidenten, für die beide jahrelang gekämpft hatten, nicht miterleben konnte.